Ortschronistin und Ortschronikfachbeirat

Die Geschichte der eigenen Gemeinde kennen und erforschen ist eine wichtige Grundlage für die Ortsentwicklung. Im Hinblick darauf beruft die Gemeindevertretung im Juni 1998 einen Archivbeirat, dessen Mitglieder zum Teil schon in der AG Ortsgeschichte zusammengearbeitet hatten. Das im Aufbau befindliche Ortschronikarchiv wird zu der Zeit von den beiden Ortschronistinnen – Frau Jerratsch und Frau Flikschuh betreut. Sie sammeln und ordnen Dokumente, Zeitungsausschnitte und Fotos zur Heimatgeschichte, dem gesellschaftlichen Leben im Ort und zur Ortsentwicklung.

Um einen rechtlichen Rahmen für das Archiv und die ehrenamtlich tätigen Beiratsmitglieder zu schaffen, wird eine Satzung erarbeitet, die im November 2002 als Satzung über die Sicherung und Nutzung von Schrift- und Sammlungsgut der Ortschronik in der Gemeinde Schöneiche bei Berlin (- Ortschronikarchivsatzung -) in Kraft tritt. Darin heißt es:

Ein Archiv zur Heimatgeschichte und Ortschronik bietet die Möglichkeit, die Vergangenheit für die Gegenwart und die Gegenwart für die Zukunft zu dokumentieren sowie wichtige Unterlagen u.a. für wissenschaftliche Forschungszwecke zur Heimatgeschichte sowie zur Erweiterung des Bildungsangebotes in der Gemeinde beizutragen. Durch ein Archiv zur Heimatgeschichte und Ortschronik als öffentliche Einrichtung der Gemeinde soll das bürgerschaftliche Engagement gefördert werden.

Der „ständige“ Ortschronikfachbeirat soll aktiv zur fachlichen Anleitung und Beratung der Angelegenheiten des Ortschronikarchivs beitragen. Sechs Mal im Jahr finden Sitzungen statt, in denen aktuell anstehende Themen besprochen werden – dort gefasste Beschlüsse haben empfehlenden Charakter für Gemeindeverwaltung und -vertretung.

Die Mitglieder des Beirates möchten die Geschichte unseres Ortes erforschen und bewahren. Dazu gehören auch Veröffentlichungen – wie beispielsweise die Fortführung der Reihe „Schöneicher Hefte“.

Daneben gilt die Aufmerksamkeit des Fachbeirats dem Bereich Denkmalschutz und - pflege. Der Denkmalschutzbeauftragte der Gemeinde ist Mitglied im Ortschronikfachbeirat.

Das Ortschronikarchiv hat 2013 einen festen Standort in der KultOurkate (Dorfaue 5) gefunden.

Für Fragen rund um die Ortsgeschichte ist der Ortschronikfachbeirat gern ansprechbar; sehr interessiert ist er auch daran, historisches Material aus privaten Beständen (Fotos, Dokumente, Zeitungen) entgegenzunehmen.

Mitglieder des Ortschronikfachbeirates

Regina Flikschuh (Ortschronistin)
Dr. Wolfgang Cajar
Prof. Dr. Christina Felber
Gisela Fischer
Karin Gottschling
Fabian Zielke
Elfriede Körner (stellv. Vorsitzende Schöneicher Heimatfreunde e.V.)
Gerlinde Krause (Vorsitzende Schöneicher Heimatfreunde e.V.)
Christine Große
Helge Martini
Ina Pachmann

Ekkehard Brühn, langjähriger Vorsitzender des Ortschronikfachbeirates - ein Nachruf

Ekkehard "Ekki" Brühn ist gestorben – wie ein Paukenschlag traf uns diese Nachricht mitten im April.

*13. März 1941     † 14. April 2021

So plötzlich und unerwartet! Gerade noch hatten wir ihm zum 80igsten Geburtstag gratuliert. Kurz danach verkündete er in der Sitzung des Ortschronikfachbeirates, dessen Vorsitz er seit bald 20 Jahren innehat, dass er diese Arbeit gern noch eine Weile fortführen möchte.
Nun ist es leider anders gekommen. Die Gemeinde Schöneiche bei Berlin hat ein „Urgestein“ verloren.
Aber von vorn: Ekkehard Brühn legte Wert auf Familie und Tradition – beides verband ihn mit Schöneiche. In schweren Zeiten geboren, wuchs er auf an der Brandenburgischen Straße / Ecke Damesweg und pendelte oft zum Großvater in die Rahnsdorfer Straße/ Ecke Mühlenweg. Gern erzählte er von der damals noch betriebenen Mühle und natürlich vom „Kleinen Spreewald“ samt Restaurant „Waldschloß“. Aber auch davon, wie er mit seinen Freunden den Berliner Forst auf der Suche nach Weltkriegsmunition durchstreifte – was Kinder damals so machten...
Ekkehard Brühn lernte in seinem Elternhaus ehrenamtliches Engagement (wie es heute heißt) kennen und auch das Interesse an den eigenen Wurzeln, der Geschichte des Lebensortes.
Sein Vater überließ ihm ein Konvolut historischer Dokumente, u.a. „Fichtenauer Nachrichten“ und viele Postkarten. Dies nahm er mit in sein Haus an die Dappstraße, wo er mit seiner lieben Brigitta und den Söhnen Andreas und Stefan ab Anfang der 1970er Jahre lebte.
Als ich ihn kennenlernte, stand er schon am Ende seines Berufslebens als Maschinenbauingenieur und Berufschullehrer. Er begann damals - Ende der 1990er Jahre - im sogenannten „Archivbeirat“ mitzuarbeiten. Das Sammlungsgut wurde von den Ortschronistinnen Ines Jerratsch und mir geordnet und ergänzt, während man sich im Beirat um Räumlichkeiten und eine Archivsatzung bemühte. Es galt schließlich eine Ortschronik zur 625-Jahr-Feier im Jahr 2000 vorzubereiten.
In seiner offenen, herzlichen Art hat Ekkehard Brühn auch mich als zugezogene Schöneicherin ohne Vorbehalte akzeptiert. Viele Stunden haben wir im Keller des alten Rathauses die Akten gesichtet und in Listen aufgenommen, um sie schließlich ins Archiv eingliedern zu können. Wir gründeten schon bald den Redaktionskreis „Schöneicher Hefte“, um einzelne Themen der Ortsgeschichte ansprechend zu veröffentlichen.
Ganz besonders wichtig war Ekkehard Brühn ab 2007 die Rückführung der „Schindler Bilder“ aus dem Märkischen Museum. Zusammen mit den Schöneicher Heimatfreunden gründete er eine Initiativgruppe dazu. Fortan sammelte Ekkehard Brühn fleißig Spenden in Schöneiche und er hat es geschafft: Die beiden restaurierten Gemälde schmücken heute in vergoldeten Rahmen unsere ehemalige Schloßkirche.
„Ekki“ hatte ja viele Freunde und Bekannte im Ort, aus der Schulzeit aus dem Sport, aus seinem Umfeld als Sachkundiger Einwohner in der Gemeindevertretung oder auch immer wieder als Wahlhelfer.
Nicht zuletzt war er als Jäger unterwegs und hat manchem Waschbären eine Falle gestellt sowie natürlich zahlreiche der - im Dorf nicht ganz so beliebten - Wildschweine erlegt.
Immer wieder suchte Ekkehard Brühn das Gespräch mit dem Bürgermeister und klinkte sich, mit Gisela Fischer, später mit mir, als Ansprechpartnerin in der Verwaltung in die Denkmalpflege ein. Anliegen war es ihm, sichtbare Historie im Ort zu erhalten. Schon 1999 regte er die Erhaltung der Torpfeiler im Eingangsbereich des ehemaligen Gutshofes an.
Sehr gern erinnere ich mich an die gemeinsamen Besuche beim “Tag der Brandenburgischen Orts- und Landesgeschichte“ in Potsdam, von wo wir theoretische und praktische Anregungen mit nach Schöneiche nahmen. Darüber hinaus die jährlichen Treffen der „Ortschronisten und Heimatforscher“ des Landkreises Oder-Spree. Bei diesen Gelegenheiten hat Ekki natürlich „sein“ Schöneiche vorgestellt und wichtige Kontakte geknüpft.
Auch in der Corona-Pandemie hat Ekkehard Brühn den Faden nicht verloren. Wenn irgend möglich, berief er die Fachbeiratssitzungen ein und die Arbeit zu den Themen Denkmalpflege, Ortschronik wurde fortgeführt. Die nun frei zur Verfügung stehende Zeit – kein Volleyball, keine Feste, keine Konzerte, weder Besuche bei Spielen der „Eisbären“ noch von „Eisern Union“ – nutzte er zum Ordnen seiner Dokumentensammlung. Diese Dinge wollte er geklärt und geregelt wissen. Und seine „Schätze“ im, von ihm selbst mit aufgebauten, Ortschronikarchiv verwahren.
Wir sind dankbar für sein Wirken in unserer Gemeinde, für seine Aufrichtigkeit, seinen Mut und manchmal auch Übermut, für seine fröhliche Zugewandtheit, für seine konstruktive Kritik, für seine Wertschätzung von „Heimat“.
Ekkehard „Ekki“ Brühn – wir werden sein Andenken bewahren, nicht nur im Archiv, sondern ganz besonders im Herzen.
Regina Flikschuh
ehrenamtliche Ortschronistin